Viele Menschen sorgen sich, dass jemand ihre Webcam hackt und sie darüber beobachtet. Doch deine Kamera birgt ein weiteres Datenschutzrisiko, für das kein einziges Videobild aufgenommen werden muss: Kamera-Fingerprinting.
Wie funktioniert das?
Moderne Browser erlauben Websites, die verfügbaren Mediengeräte, also Kameras und Mikrofone, abzufragen. Das unterstützt Funktionen wie Videokonferenzen und läuft über die MediaDevices-API.
Wenn eine Website diese Liste abfragt, kann sie folgende Informationen erhalten:
- Gerätebezeichnungen: Den genauen Modellnamen deiner Kamera, etwa „Logitech HD Pro Webcam C920“.
- Geräte-IDs: Eindeutige Kennungen, die der Browser vergibt.
- Fähigkeiten: Unterstützte Auflösungen, Bildraten und Seitenverhältnisse.
Diese Kombination von Hardwaredaten ergibt einen Fingerprint. Mit einer bestimmten externen Webcam, einer installierten virtuellen Kamera oder einer ungewöhnlichen Kombination eingebauter Geräte hebst du dich von der Masse ab.
Die Berechtigungsfalle
Browser verbergen die genauen Gerätebezeichnungen häufig, bis du den Kamerazugriff erlaubst. Sobald du aber auf „Zulassen“ klickst, etwa für einen legitimen Videoanruf, erhält die Website Zugriff auf die vollständige Liste mit detaillierten Gerätenamen und Fähigkeiten.
Eine Seite kann also aus einem scheinbar harmlosen Grund Kamerazugriff anfordern, etwa „Bestätige, dass du ein Mensch bist“ oder „Mach ein Profilbild“, und im Hintergrund deine Gerätedaten für ein dauerhaftes Tracking-Profil sammeln.
Virtuelle Kameras und Sperren
Viele Nutzer verwenden virtuelle Kameras wie OBS Virtual Camera, um ihre Privatsphäre zu schützen oder Effekte hinzuzufügen. Manche Dienste erkennen und blockieren solche virtuellen Geräte jedoch gezielt.
Weil die MediaDevices-API die Bezeichnung „OBS Virtual Camera“ verrät, verweigern Banking-Apps, Software zur Prüfungsaufsicht und manche Chatdienste unter Umständen automatisch den Dienst. So wollen sie verhindern, dass Nutzer vorab aufgezeichnetes Material einspeisen oder ihr Videobild manipulieren. Auch daran siehst du, wie sich die Abfrage deiner Geräte auf deinen Alltag im Web auswirkt.
Wie kannst du dich schützen?
1. Berechtigungen vorsichtig vergeben
Erlaube Kamerazugriff nur Websites, denen du ausdrücklich vertraust und die du für Video verwenden musst. Lehne Anfragen beliebiger anderer Seiten ab.
Wenn du vor einem Anruf nur prüfen möchtest, ob Kamera und Mikrofon funktionieren, nutze eine Seite, die den Stream auf deinem Gerät lässt: Unser Webcam- und Mikrofontest zeigt Livevorschau, Bildrate und Mikrofonpegel, ohne dass ein einziges Bild deinen Browser verlässt.
2. Anti-Detect-Browser verwenden
Browser wie Incogniton können diese Fingerprints verwalten. Sie können:
- Gerätenamen verändern: Websites allgemeine oder zufällige Kameranamen melden.
- Geräteabfragen blockieren: Verhindern, dass Websites die Geräteliste überhaupt sehen.
- Rauschen hinzufügen: Die gemeldeten Fähigkeiten verändern, damit dein Gerät jedes Mal anders erscheint.